
Im deutschsprachigem Raum sind die BOVVER BOYS als eine der besten englischsprachigen Streetpunk-Bands bekannt. Vor allem als eine, die sich an den britischen Klassikern orientiert – ohne sie abzukupfern. Was nicht allzu häufig vorkommt. Bekannt sind die BOYS auch, weil sie es geschafft haben, in knapp 17 Jahren Bandgeschichte ganze zwei Alben zu veröffentlichen. Gut Ding braucht eben Weile. Und Morgenstund’ hat Gold im Mund, ja ja. Nach vielen Jahren Warten ist mittlerweile ihr zweites Album erschienen: "Tooled For Trouble". Weile ohne Eile. Ob sich das Warten wirklich gelohnt hat? Lest selbst.
Ihr seid seit eurem Debüt bald zu einer der bekanntesten deutschen Oi!-Combos geworden. Durch eure Albumabstinenz und die längere Bandpause haben euch eventuell einige schon wieder vergessen. Stellt euch bitte vor? Wer ihr seid, seid wann gibt es euch etc.
Tom: BOVVER BOYS wurden 1992 von Steve, Rainer und Tom gegründet. Nach und nach stießen dann Egger und zuletzt Harti dazu. Wir haben schon von Anfang an auf englische Lyrics gesetzt.
Was ist das besonderer an den BOVVER BOYS?
Tom: Mittlerweile hat sich über die Jahre ein ziemlich eigenständiger von britischen 77er Punkrock, klassischen UK-Oi!-Punk und Rock`n`Roll geprägter Sound und Stil entwickelt. Damit stehen wir wohl ziemlich alleine in diesen Bereich. Aber in die aktuell angesagte Punk`n`Roll-Ecke gehören wir damit auf gar keinen Fall, dafür machen wir das schon zu lange und sind dann doch etwas zu puristisch für diese Schublade.
Ihr seid bekannt für längere Auszeiten. Was ist bei euch los?
Tom: Wir hatten nach den Aufnahmen zur ersten CD "Welcome to Borderland" fast drei Jahre Pause gemacht. Es kam bei zwei Leuten der eigene Nachwuchs dazwischen. Dann fehlte uns die Lust ohne Plattenlabel weiterzumachen und es gab musikalische Differenzen, wohin der Weg gehen sollte.
Vor allem durch Harti an der Gitarre und dem Kontrabass habt ihr euch seit der Bandgründung ein Stück weit in Richtung Punk’n’Roll, Rock’n’Roll entwickelt. Seht ihr euch noch als Streetpunkband? Wo seht ihr euch im Vergleich zu eurem Debütalbum "Bullets over Borderland"?
Tom: Wir haben eigentlich seid den ersten Veröffentlichungen immer mit Rock`n`Roll, Rockabilly und Country Elementen gearbeitet. Sei es bei Songs von unseren frühen Singles wie "Downtown" oder "Pinball Queen" oder Live mit diversen Coverversionen aus diesen Bereich. Durchs Hartis Einstieg in die Band, konnten wir das aber noch besser umsetzen, da Harti ja seine Wurzeln in der Psycho- und Rockabilly Szene der 80er hat und dort schon bei einigen bekannten Bands wie THE PILGRIMS, PYROMANIAX und den PHANTOM ROCKERS mitgespielt hat, oder im Falle der ROCKERS noch hin und wieder mitspielt.
Slapbass übernimmt er aber nur beim Song "Blood on the Strings" auf der ersten CD. Sonst ist er natürlich bei uns für die Gitarre zuständig.
Ihr seid alle noch in anderen Bands aktiv. Was sind eure jeweiligen Hauptprojekte? Warum die unterschiedlichen Bands? Seid ihr nicht ausgelastet?
Tom: Außer dass Harti hin und wieder bei PHANTOM ROCKERS mitspielt liegen die anderen Projekte erst mal auf Eis. Unser Sänger Steve hat aber als Gitarrist und Songwriter mit den URBAN REJECTS noch eine Band am Start, die für Ihn den gleichen Stellenwert wie die BOVVER BOYS hat und nicht mehr als Projekt bezeichnet werden kann und ja auch schon einige amtliche Sachen veröffentlicht hat.
Warum nicht noch mehr Zeit in die BOVVER BOYS investieren statt in die anderen Bands?
Tom: Dann würden wir uns ja noch öfters auf den Sack gehen: Ha, Ha. Aber im Ernst, die meiste Zeit und Energie geht natürlich für BOVVER BOYS drauf.
Ihr habt alle, soweit ich weiß, "normale" Jobs. Verdient ihr Musik nicht genug oder ist das "Working Class"-Attitude?
Tom: Ich glaube da sind wir mit über 40 und Kindern und Familien schon zu alt und realistisch, um uns der Illusion hinzugeben mit unser Musik großes Geld zu machen. Das wollen wir auch nicht. BOVVER BOYS ist eigentlich nie dafür ausgelegt worden um kommerziellen Erfolg zu erzielen. Working Class ist bei uns keine Attitüde sondern Realität. Wir haben/hatten alle diese typischen nine to five Berufe im Handwerk oder in der Industrie. Okay, Steve ist jetzt Tätowierer und Harti hat über die nachträgliche Abendschule und Studium nun einen Job als Sozialarbeiter.
Euer Lied "Stupid Faces" setzt sich mit dem Thema Malochen auseinander. Könnt ihr etwas über die Geschichte dieses Liedes erzählen?