
Der amerikanische Maler Jason Shawn Alexander ist zwar ein Autodidakt, aber seine Arbeiten zeugen von einem enormen handwerklichen und emotionalen Potential, das er ganz klassisch-akademisch mit Ölfarben auf Leinwand zum Ausdruck bringt. Die Dinge, die ihm an seiner Arbeit wichtig sind, sind Ehrlichkeit und Gefühl und er möchte mit seinen Arbeiten nicht nur zum Denken, sondern auch zum Fühlen anregen. Jason Shawn Alexander versucht mit seinen Arbeiten, den Betrachter im Innersten zu erreichen. Und in der Tat, es gelingt ihm mit seinen malerischen Arbeiten sowohl das Herz als auch die Seele zu berühren. Seine Bilder erinnern an Maler wie Lucian Freud und enthüllen oftmals in fast unangenehm physischer Verkörperung die Gefühle seiner Modelle.
Es ist kaum möglich, sich dieser Intensität des Ausdrucks zu entziehen und nicht für länger stehen zu bleiben. Es ist kaum möglich, sich selber in der gezeigten Szenen nicht zu entdecken, denn in dem Gestus der dargestellten Figuren findet sich etwas universell Menschliches wieder, etwas was den Betrachter in seinen Bann zieht und ihn bis hin zum Grund des eigenen Ichs zurückführt. Es geht um Gesten, um Körperhaltungen. Irritationen im Bildaufbau verstärken die Emotionalität und Intensität des Ausdrucks. Die Erscheinung der Modelle ist sehr physisch, ihre Haut hat eine ungesunde Farbe und die Venen sind durch eine fast transparente Haut, die oft nicht richtig zu passen scheint, sichtbar. Innerste Gefühle werden durch physisches Unbehagen ausgedrückt, Gliedmaßen erscheinen seltsam verlängert oder verzerrt, Persönlichkeiten sind gespalten, tragen Masken oder haben unheimliche Doppelgänger: Alexanders Körper sind faszinierend aber nicht gefällig, was es schwierig macht, ihnen standzuhalten. Die Figuren befinden sich in einem Zustand zwischen Schmerz und Sorge; die eigentliche Aussage ist jedoch die des Überlebens und Bestehens, die der Hoffnung. Alexanders Gemälde sind in gedeckten, erdigen Farben gehalten. Die vielen Braun- oder Grautöne werden teils mit kräftigen Rot- oder Blautönen kontrastiert.
Einen weiteren Kontrast zu den malerischen Werken Alexanders stellen seine Zeichnungen dar, die zugleich in der Strychnin gezeigt werden. Jason Shawn Alexander hat unter anderem für Warner Brothers, Hasbro, White Wolf Inc. und Dalmatian Press als Illustrator gearbeitet. Er wurde mit der Silbermedaille der Society of Illustrators -Los Angeles ausgezeichnet und für seine Illustrationen, zu denen u.a. auch "Abe Sapien – The Drowning" von Mike Magnola ("Hellboy") zählen, für zwei Eisner Awards nominiert. Seine Zeichnungen, die ausschließlich mit Tintenschreiber gezeichnet werden, bedienen sich des Genres der Comic Noire, der von ganz vielen Zombies, Monster und Dämonen bevölkert wird. Aber auch hier, bei aller Reduktion auf das Grafische, lässt sich die Handschrift Alexanders in der Expressivität des Gestus der Figuren und Konzentration auf die Momentaufnahme erkennen.
Text: agata
Fotos: Strychnin
www.jasonshawnalexander.com
www.strychnin.com